Häufig gestellte Fragen von Gläubigern in einem Insolvenzverfahren.


1. Was ist ein Insolvenzeröffnungsverfahren?

Bevor ein Insolvenzverfahren eingeleitet wird, ermittelt ein vom Insolvenzgericht bestellter Gutachter, ob der Schuldner zahlungsunfähig und/oder überschuldet ist. Außerdem prüft er, ob das Vermögen des Schuldners ausreicht, um die Kosten des Insolvenzverfahrens zu decken. Dies nennt man Insolvenzeröffnungsverfahren oder Insolvenzantragsverfahren. Sofern Vermögenswerte gesichert werden müssen oder eine Möglichkeit zur Fortführung des Geschäftsbetriebs besteht, bestellt das Insolvenzgericht in der Regel einen vorläufigen Insolvenzverwalter, der diese Aufgaben während des Insolvenzeröffnungsverfahrens übernimmt.

2. Wann und wie kann ich meine Forderung anmelden?

Unmittelbar nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens informiert der Insolvenzverwalter – bzw. der Treuhänder, sofern es sich um eine Verbraucherinsolvenz handelt – alle durch den Schuldner bekannt gegebenen Gläubiger schriftlich über die Verfahrenseröffnung, Termine und Anmeldefristen. Diesem Schreiben liegt ein Anmeldeformular bei, das Sie als Gläubiger nutzen können, um Ihre Forderungen anzumelden. Bitte beachten Sie, dass nur Forderungen angemeldet werden können, die bis zum Tag der Eröffnung des Insolvenzverfahrens begründet worden sind.

Das Anmeldeformular finden Sie auch in unserem Gläubigerinformationssystem (GIS Forderungsanmeldung) unter www.rueffert-rae.de. Die für das Ausfüllen des Formulars erforderliche PIN-Nummer erhalten Sie im Rahmen der Verfahrensinformation per Post. Bitte drucken Sie das ausgefüllte Formular anschließend aus und reichen Sie es unterschrieben beim Insolvenzverwalter/Treuhänder ein.

Wichtig: Damit wir Ihre Daten gemäß den gesetzlichen Vorschriften als Forderungsanmeldung berücksichtigen können, muss das Anmeldeformular per Post oder persönlich an Rüffert Rechtsanwälte zugestellt werden.

3. Meine Forderung ist durch eine Sicherheit (teilweise) abgedeckt. Was muss ich beachten?

Sofern eine Sicherheit vorliegt, fügen Sie der Forderungsanmeldung bitte die vollständigen Nachweise über das Drittrecht bei (Sicherungsabtretung, Sicherungsübereignung, Vermieterpfandrecht, Eigentumsvorbehalt etc.). Eine Verwertung des besicherten Vermögenswertes kann grundsätzlich erst nach der ersten Gläubigerversammlung in Abstimmung mit dem Drittrechtsgläubiger erfolgen. Der erzielte Erlös wird sodann gegenüber dem Gläubiger abgerechnet und ausbezahlt. Nach Erhalt des abgerechneten Verwertungserlöses wird der Gläubiger aufgefordert, seine angemeldete Forderung um den ausgekehrten Betrag zu reduzieren. Sollten noch weitere offene Forderungen gegen den Schuldner bestehen, werden diese endgültig zur Insolvenztabelle festgestellt und nehmen an der Schlussverteilung teil.

4. Wie erfahre ich den aktuellen Sachstand des Insolvenzverfahrens?

Sie haben mehrere Möglichkeiten, sich über den Stand des Insolvenzverfahrens zu informieren:

  1. Auf der Internetseite www.insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht das Amtsgericht den Eröffnungsbeschluss sowie nachfolgende Beschlüsse mit weiteren verfahrensrelevanten Informationen, deren öffentliche Bekanntmachung vom Gesetzgeber vorgesehen ist. Sie können sich unter Eingabe des Insolvenzgerichts sowie des Namens des Schuldners bzw. des Gerichtszeichens über das Verfahren erkundigen.
  2. Der Insolvenzverwalter/Treuhänder ist verpflichtet, in regelmäßigen Abständen über den Verlauf des Insolvenzverfahrens zu berichten. Sie können die Sachstandsberichte beim zuständigen Insolvenzgericht einsehen.
  3. Darüber hinaus erhält jeder Gläubiger im Rahmen der ersten Zustellung (Aufforderung zur Forderungsanmeldung zur Insolvenztabelle) eine PIN-Nummer. Mit dieser PIN-Nummer erhalten Sie als Gläubiger auf unserer Website www.rueffert-rae.de Zugriff auf unser Gläubigerinformationssystem. Unter „GIS -> Berichte und Dokumente“ finden Sie die beim Gericht eingereichten Sachstandsberichte sowie Beschlüsse des Insolvenzgerichts. Allgemeine Informationen zum Insolvenzverfahren finden Sie unter „GIS -> Allg. Informationen“.

5. Wann und wie erfahre ich, ob meine Forderung festgestellt wurde?

Ihre Forderung gilt als zur Insolvenztabelle festgestellt, wenn während des Prüfungstermins kein Einspruch gegen den Grund oder die Höhe erhoben wird – weder vom Insolvenzverwalter/Treuhänder noch vom Schuldner oder anderen Gläubigern. Anderenfalls werden Sie vom zuständigen Insolvenzgericht über den Widerspruch informiert und können die Feststellung zur Insolvenztabelle durch rechtliche Maßnahmen weiterverfolgen.

6. Wann erhalte ich eine Zahlung? Wie erfahre ich, ob ich eine Zahlung erhalte und wie hoch diese sein wird?

Eine Zahlung erhalten nur Insolvenzgläubiger, deren Forderungen zur Insolvenztabelle festgestellt wurden. Um alle Insolvenzgläubiger gleichmäßig zu bedienen, wird für jeden Gläubiger aus der zur Verteilung zur Verfügung stehenden Insolvenzmasse eine Quote errechnet. Die Höhe der Quotenzahlung ist abhängig von der Höhe der festgestellten Forderung. Eine Auszahlung kann jedoch nur dann erfolgen, wenn ausreichend Masse vorhanden ist sowie die vorweg zu befriedigenden Verfahrenskosten und Masseverbindlichkeiten vollständig bezahlt werden können.

Die Höhe der Quote sowie eine Prognose über den Verfahrensabschluss (Zeitpunkt der Auszahlung der Quote) können Sie als Gläubiger auf unserer Internetseite www.rueffert-rae.de über das Gläubigerinformationssystem (GIS -> Verwalterinformationen) unter Verwendung Ihrer PIN-Nummer abrufen.

7. Was geschieht mit meiner Forderung, wenn dem Insolvenzschuldner Restschuldbefreiung erteilt wird?

Die Möglichkeit zur Restschuldbefreiung erhalten ausschließlich natürliche Personen und dies nur unter bestimmten Voraussetzungen. Juristische Personen, wie Unternehmen oder Vereine, sind von der Restschuldbefreiung ausgenommen. Sofern dem Schuldner Restschuldbefreiung erteilt wurde, kann der Gläubiger seine Forderungen nicht mehr zwangsweise durchsetzen. Dies gilt auch für Forderungen, die nicht am Insolvenzverfahren teilgenommen haben. Bestimmte Forderungen sind jedoch von der Restschuldbefreiung ausgenommen, unter anderem Forderungen aus vorsätzlich begangener unerlaubter Handlung, wie Geldstrafen.