Häufig gestellte Fragen von Arbeitnehmern, die bei einem Schuldner/einer Schuldnerin beschäftigt sind.


1. Ist mein Lohn gesichert?

Zeiten vor der Insolvenzeröffnung – Insolvenzgeldanspruch 

Rückständige Löhne/Gehälter werden für einen Zeitraum von maximal drei Monaten vor Insolvenzeröffnung von der Agentur für Arbeit übernommen. Die Anträge für dieses sogenannte Insolvenzgeld sind unverzüglich nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei der Agentur für Arbeit zu stellen. Im Anschluss erstellen wir im Auftrag der Agentur für Arbeit Insolvenzgeldbescheinigungen, die für die Auszahlung des Insolvenzgelds notwendig sind. Für die Erstellung dieser Insolvenzgeldbescheinigungen benötigen wir einige Angaben von Ihnen und bitten Sie daher, den nachfolgenden Personalfragebogen ausgefüllt an uns zurückzuschicken.

Weitere rückständige Lohnansprüche, die zur Zeit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens bestehen, können Sie nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens zur Insolvenztabelle anmelden.

Zeiten nach Insolvenzeröffnung – Differenzlohnanspruch 

Ihre Lohnansprüche, die nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens entstehen, sind Masseverbindlichkeiten. Das bedeutet, dass diese Löhne/Gehälter von dem Insolvenzverwalter bezahlt werden, sofern die Insolvenzmasse hierfür ausreicht.

Wird der Betrieb stillgelegt, kann der Insolvenzverwalter das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der Kündigungsfrist kündigen. Darüber hinaus kann der Insolvenzverwalter den Arbeitnehmer vor Ablauf der Kündigungsfrist von der Arbeit freistellen. In diesem Fall ist der Arbeitnehmer ab dem Tag der Freistellung arbeitslosengeldberechtigt – der Lohnanspruch besteht allerdings bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses fort.

Bezieht ein gekündigter und freigestellter Arbeitnehmer innerhalb der noch laufenden Kündigungsfrist Arbeitslosengeld, so hat er Anspruch auf Zahlung der verbleibenden Differenz zwischen Arbeitslosengeld und Lohn aus der Insolvenzmasse. Dieser sogenannte Differenzlohn wird vom Insolvenzverwalter bezahlt, sofern die Insolvenzmasse hierfür ausreicht. Für die Berechnung des Differenzlohns benötigen wir einige Angaben von Ihnen und bitten Sie daher, den nachfolgenden Personalfragebogen ausgefüllt an uns zurückzuschicken.

2. Wie kann ich Zahlungen schon vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens erhalten?

Die Agentur für Arbeit zahlt unter bestimmten Voraussetzungen bereits vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens einen Vorschuss auf das Insolvenzgeld. Dieser Vorschuss muss bei der Agentur für Arbeit beantragt werden.

Mit Zustimmung der Agentur für Arbeit kann der vorläufige Verwalter die Löhne/Gehälter bei einer Betriebsfortführung in manchen Fällen über eine Bank vorfinanzieren und dann an die Arbeitnehmer auszahlen lassen. Dies gilt bereits vor Insolvenzeröffnung für den Zeitraum, in dem Insolvenzgeld bezahlt wird.

3. Wie erhalte ich eine Arbeitsbescheinigung?

Die Arbeitsbescheinigung ist eine Urkunde, mit der maßgebende Tatsachen zur Begründung eines Anspruchs auf Arbeitslosengeld nachgewiesen werden. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Arbeitsbescheinigung bei Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses an den Arbeitnehmer auszuhändigen.

Wird das Beschäftigungsverhältnis vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens beendet, bleibt die Pflicht zur Aushändigung der Arbeitsbescheinigung weiterhin beim Arbeitgeber.

Wird das Beschäftigungsverhältnis nach Insolvenzeröffnung beendet, schuldet der Insolvenzverwalter die Arbeitsbescheinigung. Dies gilt auch für Beendigungen, die nach Anordnung der vorläufigen Verwaltung erfolgen, sofern der Insolvenzverwalter bereits im vorläufigen Verfahren in vollem Umfang die Verfügungsbefugnis über die Arbeitsverhältnisse hatte. Für die Erstellung der Arbeitsbescheinigung benötigen wir Ihre letzten zehn Lohnabrechnungen.

4. Wer stellt mein Arbeitszeugnis aus?

Als Arbeitnehmer haben Sie bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Dies gilt auch im Falle der Insolvenz des Arbeitgebers.

Wird ein Arbeitsverhältnis vor Insolvenzeröffnung beendet, bleibt die Pflicht zur Erteilung eines Arbeitszeugnisses beim Arbeitgeber.

Wird das Arbeitsverhältnis nach der Insolvenzeröffnung beendet, schuldet der Insolvenzverwalter das Arbeitszeugnis. Dies gilt auch für Beendigungen, die nach Anordnung der vorläufigen Verwaltung erfolgen, sofern der Insolvenzverwalter bereits im vorläufigen Verfahren in vollem Umfang die Verfügungsbefugnis über die Arbeitsverhältnisse hatte.

5. Was geschieht mit meinem Arbeitsplatz? Beendet ein Insolvenzverfahren oder dessen Einleitung automatisch das Arbeitsverhältnis?

Bestehende Arbeitsverhältnisse werden durch die Anordnung einer vorläufigen Insolvenzverwaltung oder die Eröffnung des Insolvenzverfahrens NICHT automatisch beendet. Die Insolvenz gibt dem Arbeitgeber auch nicht das Recht, seinen Arbeitnehmern fristlos zu kündigen. Die Frage, ob der Arbeitsplatz dauerhaft fortbestehen kann, ist davon abhängig, ob der Betrieb dauerhaft Überschüsse erwirtschaften kann. Selbstverständlich hat auch der Insolvenzverwalter den Kündigungsschutz zu beachten. Er kann lange Kündigungsfristen auf drei Monate verkürzen.